Logo Musikverein Mudau

Musikverein Harmonie 1872 Mudau e.V.

Vereinsgeschichte

Wenn auch das Vereinsarchiv erhebliche Lücken aufweist, so ist der Musikverein dennoch in der glücklichen Lage, im Gemeindearchiv wertvolle Hinweise zu finden, die seine Entstehung dokumentieren.

Die Musikkapelle im Jahr 1901

Die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts war für Vereinsgründungen eine besonders fruchtbare Zeit. So nimmt es nicht wunder, dass auch Mudau an dieser Entwicklung teilnahm. Im Jahre 1872 war die Zeit dafür reif, eine Musikkapelle ins Leben zu rufen. Unter dem Datum vom 29. September und 8. Dezember 1872 vermerkt das Gemeindearchiv:

Die Gründung einer Blechmusik dahier betr. Die unterzeichneten hiesigen Einwohner erklären sich hiermit bereit und verpflichten sich eine sog. Musikbande zu gründen, die Musik, so Blechmusik durch einen zu berufenden Instrukteur ordnungsmäßig einzuüben und die nöthigen Instrumente eingenthümlich auf ihre Kosten anzuschaffen, wogegen die Kosten für den Musikunterricht selbst durch freiwillige Beiträge aufgebracht werden sollen. Die Instrumente sind von der Musikgesellschaft auf gemeinschaftliche Kosten zu erwerben. Ignatz Schmedding, Karl Joseph Blaut I, Karl Blaut II, Robert Sachs, Karl Schmedding, Karl Scheuermann, Joseph Zimmermann, Alois Blaut, Friedrich Bucher.

Drei Jahre nach der Gründung des Vereins hatte das Interesse so sehr zugenommen, dass am 19. Oktober 1875 die Ausbildung von Musikschülern mit folgender Satzung beschlossen wurde:

§1
Die unterzeichneten 1. Julius Breunig 2. Friedrich Bucher 3. Karl Scheuermann 4. Alois Blaut 5. Karl Blaut 6. Anton Schmitt jg. 7 Karl Noe 8. Ignatz Schmedding 9. Gustav Hemberger 10. Joseph Zimmermann 11. Valtin Schöllig 12. Lukas Kieser verpflichten sich hiermit unter Leitung des Musikkastenbetriebs Bauer aus Schneeberg als ein harmonisches Musikkorps auszubilden, in welchem Sinne dieselben allen Anforderungen des genannten Instrukteurs unverweigerliche Folge zu leisten, namentlich der Unterrichtsstunden pünktlich zu besuchen haben.

§2
Die Lehrzeit wird auf 6 Monate vom 1. November d. J. bis 1. Mai k. J. festgesetzt.

§3
Während der Lehrzeit ist sämtlichen Schülern strenge untersagt auf irgendwelche Weise öffentlich musikalisch aufzutreten.

§4
Die Kosten für den Musikinstrukteur berühren die Musikschüler nicht, solche werden vielmehr von der passiven Gesellschaft übernommen und getragen.

§5
Sämtliche Instrumente werden von allen Musikschülern unter somit verbindlicher Haftbarkeit angeschafft und abbezahlt und zwar mit der Modifikation, dass die drei Clarinetisten den Bombardon-Schülern einen Zuschuss von je 4 M zusammen 12 M zu leisten haben.

§6
Sollte einer der Schüler während der Lehrzeit oder in der Folge ohne genügend Gründe von der Musikgesellschaft austreten, so hat er die für ihn bezahlten Instruktionskosten, welche nach dem Gesamtbetrage dieser Kosten bemessen werden zu ersetzen.

§7
Die Musikschüler verpflichten sich bei öffentlichen Festen für die Gemeinde dahier unentgeltlich mit ihrer Musik aufzutreten.

§8
Unter den Kosten für den Instrukteur ist das Notenpapier und sonstiges Schreibmaterial nicht begriffen, diese Materialien sind vielmehr auf Kosten der Schüler zu beschaffen. Vorgelesen, anerkannt und unterschrieben die Musikschüler...

Unterschriften der ersten Musikschüler

Der Name „Harmonie” wird erstmals in einer polizeilichen Verfügung vom 27. Juli 1881 über eine Ausnahme des Proberaums von der allgemeinen Polizeistunde erwähnt.

Dass der Musikverein schon in den Gründerjahren zumindest auf örtlicher Ebene tätig war wird bezeugt durch zwei Einträge im Protokollbuch des Gesangvereins „Frohsinn”. Unter dem Datum des 25. Juli und des 18. Dezember 1887 vermerkt der Chronist bei ‚Ausgaben, die durch das Sängerfest veranlasst wurden’ unter anderem: „7 der hiesigen Musikgesellschaft für Dienstleistung während des Festes 60 Mark”.

Die Kapelle um das Jahr 1904

Wenn auch bis zum 15. Mai 1923 keine genauen Unterlagen vorhanden sind, so steht dennoch fest, dass der Verein keineswegs untätig war. Es kann vielmehr angenommen werden, dass er nicht auf die Hilfe der Gemeinde angewiesen war und auf eigenen Füßen stand. Alte Fotos beweisen, dass die Gründungsmitglieder bis über die Jahrhundertwende hinaus den Verein getragen haben. Musiker wie Wilhelm Mantel, Markus Mantel, Julius Götz, Engelbert Scholl, Otto Fertig, Berthold Schmedding sind immer wieder auf den Fotos zu sehen. Während des Ersten Weltkrieges kam es jedoch wie überall in Deutschland zum Erliegen der Vereinstätigkeit. So ergab sich nach Beendigung des Krieges die Notwendigkeit einer Förderung um das Vereinsleben wieder zu aktivieren. Auf Initiative von Engelbert Scholl sowie Markus Mantel, der auch den Vorstand übernahm, erfolgte schließlich am 24. April 1921 die Widergründung. Unter dem Datum vom 15. Mai 1923 bestätigen Vorstand Markus Mantel und der damalige Dirigent Alois Grimm, von der Gemeinde Instrumente, Noten und Musikschulen leihweise erhalten zu haben. Zur Kapelle gehörten damals außer den vorstehend genannten Musikern u. a. Emil Blaut, Anton Blaut, Otto Fertig jg., Julius Götz jg., Wilhelm Götz, Heinrich Henn, Wilhelm Sammet II, Joseph Schmedding und Alois Schnätz. In dieser Zusammensetzung spielte die Kapelle auch am ersten Heimatfest im Jahre 1927 und hat sich unter schwierigen Umständen dann recht und schlecht über die folgenden Jahre gehalten.

Die Musikkapelle beim Heimatfest 1927

Die keineswegs erfreuliche Situation der Kapelle führte im Jahre 1931 zu Verhandlungen mit dem Musikdirektor Paul Jäpel aus Mannheim-Friedrichsfeld. Er erbot sich in einem sehr umfangreichen Briefwechsel mit der damaligen Gemeindeverwaltung, „eine schöne und leistungsfähige Musikkapelle heranzubilden”. Seitens der Gemeinde war durchaus Interesse vorhanden. Dies äußerte sich in der Absicht von folgenden 16 jungen Leuten, in der Kapelle mitzuwirken: Alois Berg, Franz-Theo Bing1er, Emil Blaut, Otto Fertig jg., Heinrich Götz, Richard Grimm, Heinrich Henn, Theodor Hörst, Valentin Link, Artur Mechler, Josef Noe, Willi Noe, Andreas Schäfer, Alois Schnätz, Valentin Schöllig und August Zimmermann. Allerdings sah sich die Gemeinde trotz grundsätzlicher Zustimmung zu den Bedingungen Musikdirektor Jäpels in Anbetracht ihrer finanziellen Schwierigkeiten gezwungen, das Angebot vorerst abzulehnen.

Mitglieder der Musikkapelle in den 20er Jahren

Die Verhandlungen wurden im Jahre 1933 zwar noch einmal aufgenommen, führten aber wiederum zu keinem Ergebnis. Eine echte Neubelebung des Vereins erfolgte gegen Ende des Jahres 1934 unter der Leitung von Musikdirektor Georg Bühl. Erforderlich hierzu war eine größere Anzahl von Instrumenten. So wurden angeschafft: 1 Piccoloflöte zu 15 RM, 3 Klarinetten a 56 RM, 1 Trompete zu 62 RM, 2 Waldhörner a 90 RM, 1 Tenorhorn zu 110 RM, 2 Zugposaunen a 62 RM, 1 Tuba zu 300 RM, 1 kleine Trommel zu 34 RM, 1 große Trommel zu 50 RM, 1 Paar Becken zu 32 RM, 1 Trommelständer zu 5 RM und 1 Bariton zu 145 RM. Diese Instrumente wurden von der Firma F. Sched-Niwy in Ludwigsburg geliefert. Damit war die Musikkapelle ausreichend mit Instrumenten versorgt, so dass nun weitere Musiker aufgenommen werden konnten: Karl Götz, Franz Schäfer, Otto Kieser, Rudolf Reichert (Trompeten), Josef Hemberger, Vinzenz Hemberger, Alois Speckert, Arthur Hahn, Fritz Sammet (Klarinetten), Valentin Rögner (Bass), Erich Bucher, Valentin Schöllig (Posaunen), Ferdinand Banschbach, Josef Röckel (Tenorhörner), Kurt Grimm (Bariton), Heinrich Scheuermann, Otto Götz (Es-Hörner) und Heinrich Speckert (große Trommel), später Emil Götz.

Die Kapelle bei einem Auftritt im Jahre 1926

Nach dem kurzlebigen Versuch Musikdirektor Bühis übernahm im Jahre 1935 Willi Edinger aus Mosbach die Kapelle. Mit ihm nahm die Kapelle einen sehr beachtlichen Aufschwung und erlangte in kurzer Zeit Ansehen und Geltung in der weiteren Umgebung. Willi Edinger leitete die Kapelle mit großem Erfolg, bis er Anfang 1939 zurück nach Mosbach ging und später eine Stelle als Fagottist beim Städtischen Theater in Heidelberg annahm. An seine Stelle trat der damalige Gewerbelehrer Wilhelm Laible.

Leider machte der Zweite Weltkrieg jede weitere Aufbauarbeit zunichte, da ein großer Teil der Musiker bereits bei der Mobilmachung am 26. August 1939 zum Kriegsdienst eingezogen wurde. Die Kapelle konnte sich noch bis Herbst 1940 halten. Danach war eine musikalische Betätigung nicht mehr möglich.

Die Musikkapelle nach Neubelebung ihrer Aktivitäten im Jahre 1934

Sofort nach Kriegsende regte sich jedoch der Wille zu einem Neubeginn, wobei auch die Heimatvertriebenen großes Interesse zeigten. Schon im Jahre 1946 wurden unter Herrn Laible die Probearbeiten wieder aufgenommen. Damals zählten zu den ersten aktiven Mitgliedern: Wilhelm Laible (Dirigent), Erich Bucher (Vorstand), Martin Götz, Paul Hemberger, Andreas Lambert, Johann Blatz (Verwaltungsmitglieder), Karl Frank, Josef Kieser, Bernhald Schöllig, Johann Wittischka, Erwin Scheuermann, Anton Dambach, Karl Laible, Hilmar Bingler, Herbert Grimm, Ignatz Dolleschall, Leo Schnorr, Emil Götz. Welche Schwierigkeiten sich bei der Instrumentenbeschaffung ergaben, wird durch die Tatsache verdeutlicht, dass der damalige Vorstand und Posaunist und auch heutige Vorsitzende Bürgermeister Erich Bucher in Gerlachsheim drei Klarinetten für drei Ster Holz einhandelte. Außerdem wurden Instrumente von aktiven und passiven Mitgliedern gestiftet (Malermeister Otto Fertig: ein Althorn; Tünchnermeister Julius Götz: eine Klarinette, ein Tenorhorn, ein Es-Horn; Martin Götz: ein Piston) sowie von der Gemeinde zur Verfügung gestellt.

Die Kapelle im Jahre 1954

Der Eifer der Kapelle gewährleistete einen Aufstieg, der schnell erstaunliche Erfolge brachte. Eine herausragende Leistung waren die zahlreichen Aufführungen der Operette „Die Winzerliesel”, die die Akteure u. a. bis nach Neckarelz führte und den eigentlichen Auftakt für eine echte Neubelebung darstellte. Der Aufschwung wird auch dadurch verdeutlicht, dass es gelang, neben der eigentlichen Blaskapelle noch ein Streichorchester aufzubauen. Trotz stolzer Erfolge blieben der Kapelle aber auch in den Folgejahren Rückschläge nicht erspart.

Die unerlässliche ideelle Belebung erhoffte man sich von der auf Anregung des damaligen Feuerwehrkommandanten Paul Schäfer erfolgten Übernahme in die Freiwillige Feuerwehr. Häufiger Dirigentenwechsel - Johann Blatz (bis 1950), Herbert Tschamber aus Buchen (bis 1954), Herbert Tritschler aus Lohrbach (bis 1956) - machte jedoch eine kontinuierliche Aufbauarbeit unmöglich. Die wichtigste Erkenntnis aus jenen Jahren war, dass eine Musikkapelle nicht auf eine gewisse Eigenständigkeit verzichten kann.

Die Kapelle im Jahre 1955

So wurde der Wunsch immer deutlicher, einen unabhängigen Musikverein zu gründen. Den Abschluss der Vorbereitungen bildete zunächst die Konstituierung eines Vorstandes im Dezember 1956. Er bestand aus den Herren Dr. Willi Platz (1. Vorsitzender), Pfarrer Otto Ackermann (2. Vorsitzender) und den Herren Ernst Beißer, Adam Meixner, Lehrer Baumann und Karl Steffan als Beiräte. Das Amt des Dirigenten wurde von Alois Zechmeister übernommen. Da jedoch die Kapelle nicht den nötigen Rückhalt fand, erlahmte das Interesse der Aktiven immer mehr, so dass Ende 1958 ein Teil der Instrumente abgegeben wurde in der Absicht, einen Neuanfang zu erwirken.

Die Kapelle mitte der 50er Jahre

Gezielte Anstrengungen in dieser Richtung wurden Mitte des Jahres 1960 insbesondere von Bürgermeister Erich Bucher unternommen. Eine Besprechung in der Odenwaldhalle ergab, dass die grundsätzliche Bereitschaft vorhanden war, eine leistungsfähige Kapelle aufzubauen.
Gerhard Münch erklärte sich bereit, bis zur endgültigen Klärung der Dirigentenfrage die Proben zu leiten. Am 7. Januar 1961 fand im Gasthaus „Zur Rose” die erste Generalversammlung des neugegründeten Musikvereins statt. Die Wahl zur Vorstandschaft brachte folgendes Ergebnis: Vorsitzender Erich Bucher, Schriftführer Günter Burkardt, Kassier Gerhard Münch, Beisitzer Kurt Grimm, Gerhard Münch, Alois Schnätz, Klaus Scholl, Alois Zechmeister, Vereinsdiener Hilmar Götz. Es wurde beschlossen, den Verein unter dem Namen „Musikverein Harmonie 1872 Mudau” ins Vereinsregister eintragen zu lassen. Des weiteren wurde der Beitritt zum Volksmusikverband Odenwald-Bauland angeregt.

Gründungsurkunde 1961

Der erste öffentliche Auftritt erfolgte schließlich am Rosenmontag, dem 13. Februar 1961. Erster Höhepunkt für die Kapelle war die Mitwirkung beiden Mudauer Heimattagen am 29., 30. und 31. Juli 1961. Schon im Herbst desselben Jahres lud die Kapelle zu ihrem ersten öffentlichen Konzert in die Odenwaldhalle ein. Unter Dirigent Gerhard Münch konzertierte sie eine Stunde lang in abwechslungsreicher Folge, wobei betont werden muss, dass sowohl die Einzelstimmen als auch das Zusammenspiel Ansätze echter Musikalität erkennen ließen. Die raschen musikalischen Erfolge ließen auch bald die Mitgliederzahl steigen. Gehörten dem Verein 1962 insgesamt 20 aktive und 71 passive Mitglieder an, so waren 1966 schon 26 aktive und 173 passive Mitglieder zu verzeichnen. Im Jahre 1968 war die Zahl der aktiven Mitglieder auf 28, die der passiven bereits auf 230 angewachsen, und im Jubiläumsjahr zählt der Verein über 300 Mitglieder.

In der Folgezeit war die Kapelle bei allen kirchlichen und weltlichen Anlässen in Mudau und darüber hinaus sehr aktiv. Als herausragende Ereignisse sind die regelmäßigen Konzertveranstaltungen zu erwähnen, ebenso die Teilnahme an den vom Volksmusikverband ausgerichteten Wertungs- und Kritikspielen. Auch das äußere Erscheinungsbild wurde durch die Anschaffung einer Tracht gefälliger, die im Jubiläumsjahr durch eine weitere Tracht ergänzt wurde. Die Kapelle wird deshalb kurz als Trachtenkapelle bezeichnet. Neben einem stetig zunehmenden Leistungsstand war auch im kameradschaftlichen Bereich eine erfreuliche Aktivität festzustellen. Zu denken ist in diesem Zusammenhang besonders an die von Gerhard Riedel im Jahre 1969 in die Wege geleitete Freundschaft mit dem Harzclub-Zweigverein Zorge (Südharz).

Rosenmontag 1961 (Erster Auftritt nach der Wiedergründung)

Die in der Bevölkerung vorhandene Begeisterung äußerte sich in dem Wunsch, eine Jugendkapelle ins Leben zu rufen. Der Aufruf der Vorstandschaft vom 17. Mai 1965 fand ein unerwartetes Echo. 43 Jugendliche und Schüler erklärten spontan ihre Bereitschaft, weitere 20 schlossen sich ihnen an. Um den finanziellen Aufwand zur Beschaffung von Instrumenten dem Verein nicht allein aufzubürden, erklärten sich die Eltern der Jugendlichen bereit, sich an der Finanzierung zu beteiligen. Nachdem am 14. und 15. August 1965 das Gründungsfest für die Mudauer Jugendkapelle stattgefunden hatte, dessen Erlös der Instrumentenbeschaffung zugute kam, konnte Dirigent Gerhard Münch mit lobenswerter Kleinarbeit und großer Einsatzbereitschaft an die Probenarbeit herangehen. Der Erfolg zeigte sich beim Musikfest im folgenden Jahr (13. bis 15. August 1966), wo die Jugendkapelle erstmals mit einem ansprechenden Programm vor die Öffentlichkeit trat. Es zeigte sich allerdings bald, dass der Eifer und die Begeisterung nur von kurzer Dauer waren. Aufgrund dessen und der Übernahme von zehn Jugendlichen in die Trachtenkapelle sank die Mitgliederzahl ständig, so dass im Jahre 1970 die Jugendkapelle als selbständiger Klangkörper nicht mehr bestand.

Trotz ständiger Nachwuchssorgen konnte der Musikverein Mudau im Jahre 1972 sein hundertjähriges Jubiläum zuversichtlich begehen.
Anlässlich dieses Jubiläums wurde die Vereinsgeschichte erstmals in einer Festschrift aufgearbeitet.

Ganz allgemein kann festgestellt werden, dass sich der Musikverein „Harmonie” 1872 Mudau eine ungemein positive Entwicklung nahm. Dies ist in erster Linie ein Verdienst des damaligen Vorsitzenden Erich Bucher sowie des Dirigenten Gerhard Münch. Sie haben in langen Jahren die Verantwortung für den Verein getragen und verstanden es, in harmonischer Zusammenarbeit die richtigen Entscheidungen für den Verein zu treffen und in die Tat umzusetzen.

Mudauer Heimattage vom 29. bis 31. Juli 1961

Als ehemaligem Musiker und aktives oder passives Mitglied aller damaligen örtlichen Vereine, besonders aber als Bürgermeister war Erich Bucher der Wert eines gesunden Vereinswesens in der Gemeinde stark bewusst. Er sah das Vereinswesen als Grundlage für ein gedeihliches Gemeinschaftsleben und setzte sich dafür tatkräftig und energisch zum Wohl seiner Heimatgemeinde ein. Seinem Einsatz war es vorwiegend zu verdanken, dass der Musikverein 1973 - unmittelbar nach dem hundertjährigen Jubiläum und in Zusammenhang damit - mit der begehrten Pro-Musica-Plakette ausgezeichnet wurde. Sie wurde vom damaligen Bundespräsidenten Gustav Heinemann verliehen und dem Vorsitzenden E. Bucher am 26. Dezember 1973 während des Weihnachtskonzerts in der Odenwaldhalle durch Landrat Dr. Geisert überreicht.

Die Kapelle im Jahre 1961

Die Bedeutung, die E. Bucher der einenden Kraft der Musik für die Gestaltung des Zusammenlebens in der Gemeinde, vor allem auch in den Jahren nach 1975 in der neugegründeten Gesamtgemeinde beimaß, wird in seiner Einleitung zum Protokollbuch dokumentiert, das in jenem Jahr neu angelegt wurde.

Erich Bucher schreibt:

„Mit dem Beginn dieses Bandes fällt die Geburtsstunde der neuen Gemeinde Mudau zusammen, die sich aus neun bis dahin selbständigen Gemeinden gebildet hat. Unsere Trachtenkapelle hat durch ihr Auftreten in den Umlanddörfern für diese schwere Entscheidung das notwendige Verständnis mitgeweckt. Ihr fällt auch für das weitere Zusammenwachsen eine wichtige Aufgabe zu.

Nur mit viel Gemeinsamkeit und selbstlosem Denken wird der Verein dem gestellten Auftrag im kulturpolitischen Bereich gerecht werden können. Der Geist in der Trachtenkapelle und ihr musikalisches Niveau gibt uns Hoffnung, dieses Ziel zu erreichen.”

Für seine Verdienste als Bürgermeister und seinen Einsatz für das Vereinsleben wurde E. Bucher im Dezember 1976 mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet.

Als E. Bucher in der Generalversammlung am 16. März 1985 sein Amt als Vorsitzender des Musikvereins an Reinhard Münch übergab, hatte er in 24 arbeitsreichen Jahren den Verein geprägt und gefestigt. Der Verein war auf 348 fördernde Mitglieder angewachsen, er verfügte über eine Seniorenkapelle mit 40 aktiven Musikern, über eine 27 Mitglieder starke Juniorenkapelle und eine Zöglingsgruppe von 20 Musikern. Die Generalversammlung würdige E. Buchers Einsatz mit der einstimmigen Ernennung zum Ehrenvorsitzenden.

Am 9. August 1970 nahm die Kapelle bei einem Jubiläumsumzug in Weihheim teil

Ein Glücksfall war es für den Verein, dass neben dem tatkräftigen Vorsitzenden ein in vielerlei Hinsicht qualifizierter Dirigent zur Verfügung stand. Gerhard Münch, der 1961 zusammen mit E. Bucher die Verantwortung übernahm, verstand es, die der Blasmusik zukommende Funktion zu erkennen und ihre Möglichkeiten richtig einzuschätzen.
Es kam in den 60er Jahren darauf an umzudenken. Es kam darauf an, den Mut aufzubringen zur Weiterentwicklung und zur Schaffung neuer Gehalte. Es gelang Gerd Münch, seine Kapelle dazu zu motivieren, neben reiner Unterhaltungsmusik zunehmend anspruchsvolle Kompositionen zu spielen. Dabei kam ihm seine Fähigkeit zugute, auf neue Fragen richtige Antworten zu finden und mit Gespür für Machbarkeit neue Überlegungen organisatorisch wie musikalisch umzusetzen. Er erkannte, dass gerade im ländlichen Raum ein Musikverein wesentlicher Bestandteil und Mitträger des kulturellen Lebens zu sein hat. Das Interesse der Bevölkerung an den regelmäßig stattfinden Konzerten als den Höhepunkten des musikalischen Jahres hat ihm Recht gegeben.
Neben der Probenarbeit in der Seniorenkapelle verwendete er viel Mühe auf die Schulung des Nachwuchses und die Ausbildung von Dirigenten.
Dabei galt sein Einsatz nicht nur dem eigenen Verein, sondern darüber hinaus auch den Vereinen im Musikverband. Zunächst als Beirat, dann als Vizepräsident übernahm er größere Verantwortung.
In Anbetracht der vielen Verdienste konnten Ehrungen nicht ausbleiben. Der silbernen Ehrennadel des Bundes Deutscher Blasmusikverbände für 25 Jahre aktive Tätigkeit folgte die goldene Ehrennadel für 40 Jahre aktive Tätigkeit.

Eine besondere Ehrung erfuhr G. Münch noch bei seiner offiziellen Verabschiedung als Dirigent während der Jahreshauptversammlung am 11. März 1995. Er wurde zum Ehrenmitglied und Ehrendirigenten ernannt. In seiner Laudatio konnte Vorstandsmitglied Roland Grimm neben Münchs Dirigententätigkeit in der Musikkapelle Mudau auch dessen langjährige Organistentätigkeit und Leitung des Kirchenchors in seinem Geburtsort Steinbach hervorheben. Er wies darauf hin, dass in der langen Vereinsgeschichte noch nie ein Dirigent so viele Jahre den Dingentenstab geführt hatte und noch nie ein Dirigent eine so leistungsstarke, gut ausgebildete Kapelle an seinen Nachfolger übergeben konnte. Für Gerd Münch bedeutete die Aufgabe des Dirigentenamts jedoch kein Ausscheiden aus dem aktiven Musikleben. Vielmehr konnte er sich nunmehr intensiver seiner Arbeit im Blasmusikverband Odenwald-Bauland widmen. G. Münch hat im Frühjahr 1997 das Amt des Präsidenten des Verbandes übernommen. Gewiss kann der Musikverein Mudau stolz auf seine Wahl zu einem so herausragenden Amt sein und wünscht ihm erfolgreiches Arbeiten.

Im Jahre 1972 feierte der Musikverein sein 100jähriges Bestehen

Die Chronisten dürfen zufrieden feststellen, dass die im Jubiläumsjahr Verantwortung tragenden Persönlichkeiten Reinhard Münch und Ralph Müller den Verein mit Umsicht und Tatkraft führen und so nahtlos die in den Vergangenheit gewohnte erfolgreiche Arbeit fortsetzen.
In seiner zwölfjährigen Amtsführung hat den 1. Vorsitzende Reinhard Münch bei vielerlei Anlässen bewiesen, dass der Verein bei ihm in guten Händen ist. Sowohl in der Gestaltung des inneren Vereinslebens als auch als Repräsentant des Vereins im öffentlichen Leben kommt ihm seine allgemein anerkannte Erfahrung zugute. Zu erwähnen ist in diesem Zusammenhang die von ihm initiierte jährlich stattfindende Musikparade, die bei der Bevölkerung großen Anklang findet.

Ehrung langjähriger Mitglieder 1982

Mit Ralph Müller leitet ein junger Dirigent die Kapelle, der auf den Grundlage einen breit angelegten musikalischen Ausbildung als Instrumentalist und Kapellmeister (mit Anfang den 80er Jahre abgelegten Dirigentenprüfung) alle Voraussetzungen für ein ersprießliches Arbeiten mit dem Blasorchester mitbringt. Seit einigen Jahren stellvertretenden Dirigent, wurde es R. Müller ermöglicht, allmählich in die Gesamtverantwortung hineinzuwachsen, bis er schließlich während des Weihnachtskonzerts im Dezember 1994 das Amt des Dirigenten übernahm. Diesen Wechsel war das Ergebnis einen lange geplanten Entwicklung. Der Generationswechsel im Dirigentenamt gewährleistet auch, dass in der Auswahl den Musikstücke dem musikalischen Geschmack jüngerer Musikbegeisterten Rechnung getragen wenden kann. Ralph Müllers Auffassung von moderner Blasmusik wurde schon deutlich bei den rechtzeitig zum l25 jährigen Jubiläumsfest erstellten Tonträgeraufnahme.

Kapelle 1982

Bereits zum zweiten Mal innerhalb von 15 Jahren wagten sich die Mudauer Musiker daran, einen Querschnitt ihres musikalischen Unterhaltungsprogramms auf Tonträger (Compact Disk und Musikkassette) festzuhalten. Damit bewies die Kapelle einmal mehr ihre außergewöhnliche Einsatzbereitschaft und Leistungsfähigkeit

Der Musikverein „Harmonie” 1872 Mudau kann insgesamt mit Stolz auf seine l25 jährige Vereinsgeschichte zurückblicken. Als maßgebender Kulturträger hat er in der Vergangenheit einen wertvollen Beitrag für das Gemeinschaftsleben geleistet. Gerade eine Blaskapelle ist bei vielen Anlässen gefragt. Die Vereinsführung und die aktiven Musiker sind sich immer ihrer Verantwortung den Gemeinde, den übrigen örtlichen Vereinen und der Bevölkerung gegenüber bewusst gewesen und werden ihre Aufgaben auch in Zukunft erfüllen.

Kapelle 1997

aus der Festschrift zum 125jährigen Vereinsjubiläum 1997